Tipp 3: Sage öfter Nein und setze Grenzen


Löfflmühle Markt Schwaben

Nein sagen? Warum überhaupt?


Ich glaube, dass ich ein sehr hilfsbereiter Mensch bin.


  • Der Arbeitskollege fragt, ob ich seinen Spätdienst übernehmen kann, weil er seine Tochter vom Schwimmbad holen will. Klar sag ich ja.

  • Die Nachbarin fragt, ob ich für zwei Wochen Katze, Hühner und Igel versorgen kann. Klar sag ich ja.

  • Eine Freundin fragt, ob ich heute Nachmittag "kurz" Zeit hätte, ihr beim Umräumen der Kinderzimmer zu helfen. Klar sag ich ja.

...


Blöderweise meist, ohne zu überlegen, was das für Konsequenzen für mich und meine "Selbstfürsorge" hat.


Und wieder daheim (z. B. nach dem Spätdienst) merke ich, dass ich mich über mich ärgere. Jetzt komme ich in Stress mit Abendessen richten und mein Sohn hätte mich schon früher gebraucht für Hilfe bei einem Referat. Oder ich merke im Lauf der zwei Wochen, dass es mich doch ganz schön viel meiner Zeit kostet, jeden Tag vor der Arbeit noch schnell den Hühnerstall sauber zu machen.


Und ich überlege, ob ich zu der/dem einen oder anderen nicht auch mal Nein sagen hätte können.


Warum es uns so schwer fällt, Nein zu sagen


Meine ersten Erfahrungen mit dem Nein machte ich wie jede/r andere auch bereits in meiner Kindheit. Das Nein der Eltern zum eigenen Pferd, damals meinem größten Herzenswunsch.

Oder das von mir erprobte Nein zur Bitte meiner Mutter, lieber die warme Jacke anzuziehen bei dem Wetter. Oder das Nein zu der Bitte, doch beim Abwasch zu helfen.


Das sind nur kleine Beispiele, die ich unzählig fortsetzen könnte. Dir fällt sicher auch einiges dazu ein.


Aber was genau passiert hier? Wir lernen früh, dass Nein sagen mit Konsequenzen verbunden ist. Meist mit unangenehmen. Ärger, Ablehnung, Kritik. Und wir lernen, dass wir das vermeiden möchten.


Es bilden sich Glaubenssätze wie:


  • Wenn ich Nein sage, werde ich abgelehnt.

  • Wenn ich Nein sage, enttäusche ich andere.

  • Wenn ich Nein sage, werde ich nicht mehr so geliebt.

Spür' doch mal in dich rein. Was löst das bei dir aus? Was für ein Gedanke kommt dir bei der Vorstellung, auf eine Bitte Nein zu sagen?


Und wie immer mein Lieblingstool:

Schreib' es auf. In dein schönes Journal, das du dir hoffentlich schon für die Dankbarkeitspraxis zugelegt hast.

Wann ist der Punkt, eine Bitte abzulehnen?


Versteh mich bitte nicht falsch! Freunden oder Kolleg*innen auszuhelfen und Ja zu sagen, auch wenn ich gar keine Lust dazu habe oder schon vorher weiß, dass es aufwändiger wird als gedacht, ist vollkommen ok.


Aber halt nicht immer. Denn wenn es an meine Substanz geht, die Hilfsbereitschaft mein Zeitkontingent stark einschränkt und vor allem, wenn ich meine Hilfe nicht gern und mit vollem Herzen gebe, ist sie dann wirklich wertvoll für andere?


Das hat mir zu denken gegeben: Ich helfe, übernehme, sage Veranstaltungen zu und fühle mich dabei aber nicht gut? Dann merke ich, wie sich ein Groll in mir aufbaut.


Ein Groll auf mein Gegenüber. Soweit, dass es unser Miteinander beeinträchtigt und vielleicht sogar zum Ende der Freundschaft führt. Vor Allem, wenn Geben und Nehmen nicht in etwa im Gleichgewicht sind.


Aber: Werde ich auch noch gemocht, geliebt, wenn ich mich Nein sagen traue?


Oder werde ich sogar mehr geschätzt, weil ich für mich einstehen kann? Könnte ich nicht sogar Vorbild sein für diejenigen, die sich mit Nein sagen sehr schwer tun?


Ihr seht schon, Fragen über Fragen. Für mich habe ich herausgefunden, dass es einen Versuch wert ist. Mir einfach gut zu überlegen, was ich für andere leisten kann, ohne mich und meine Bedürfnisse und Wünsche in den Hintergrund zu rücken.

Und wie soll das gehen?


Es gibt so viele Tipps, wie dir Nein sagen gut gelingen kann.

Für mich hat sich folgendes bewährt und so versuche ich es auch umzusetzen. Nicht immer, aber immer öfter.


Ich erbitte mir Bedenkzeit,

"Die kürzesten Wörter, nämlich 'ja' und 'nein' erfordern das meiste Nachdenken."

Pythagoras von Samos


etwa so: "Ich hab im Moment ziemlich viel für mich zu organisieren und möchte kurz darüber nachdenken. In 10 Minuten geb' ich dir Bescheid."


Ich überlege, ob ich das leisten kann, ohne mich zu sehr beschränken zu müssen.

Ich überlege, ob ich Freude daran habe. Es macht nämlich auch Spaß, anderen zu helfen.

Erst dann teile ich meine Entscheidung mit.


Ich erfinde keine Notlügen, sondern gebe offen zu, dass es mir gerade nicht in meinen Zeitplan passt und mich in Stress versetzen würde.


Es klappt nicht immer, denn das erfordert üben, üben, üben und auch großen Mut.

Das Wichtigste überhaupt


Ich helfe gern und oft und sage natürlich nicht immer nur aus Prinzip oder zur Übung Nein.

Aber ich versuche ein Maß zu finden, mit dem ich mich wohl fühle.


Auch nicht immer, aber immer öfter.

KURZFASSUNG


  • Atmen, atmen, atmen.

  • Fünf DankbarkeitsMomente jeden Tag.

  • Und wenn dir darüber hinaus noch mehr einfällt, schreib es auf.

  • In dich reinspüren, wann und in welchen Situationen Nein sagen möglich und für deine "Selbstfürsorge" wichtig wäre.

  • Und überhaupt üben, üben, üben und Freude dabei haben.


Fang JETZT damit an, aufschieben gilt nicht.


Von Herz zu Herz, deine Maria


23 Ansichten

© 2020 Maria Keil-Grillmeier

  • Facebook
  • Instagram